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dimecres, 21 d’agost de 2013

"August 1914" von Barbara Tuchman, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2001

 
 
Ich habe erst das erste Kapitel gelesen, dessen Titel “Ein Begräbnis” ist, und im ersten Abschnitt bemerkt man schon, wie einfach die Machthaber – nur ihre Kleidungen und Wappen tragend—die Menge tief beeinflussen und manipulieren können.
So lautet dieser Abschnitt:
“Die neun Majestäten, die an dem Maimorgen des Jahres 1910 hoch zu Ross dem Sarge Eduards VII, von England folgten, boten ein so überwältigendes Bild, dass ein Seufzer der Bewunderung durch die scwarzgekleidete Menge ging, die sich in ehrfurchtsvollem Schweigen drängte. Scharlachfarben, blau, grün und purpurrot ritten die Herrscher jeweils zu dreien nebeneinander durch das Schlosstor, mit nickenden Helmbüschen, goldenen Tressen, karmesinroten Schärpen und jubelenbesetzten Orden, die in der Sonne aufblitzten. Ihren folgten fünf Thronerben, dann weitere vierzig kaiserliche oder königliche Hoheiten, sieben königinnen –davon drei regierende und vier Königinwitwen- und eine Schar von Sondergesandten aus Ländern, deren Herren keine Krone trügen. Insgesamt waren siebzig Nationen vertreten in dieser grössten Versammlung von Königen und Würdenträgern, die sich je an einer Stelle zusammengefunden hat und die in ihrer Art die letzte sein sollte. Gedämpften Klanges verkündete Big Ben die neunte Stunde, als der Trauerzug den Palast verliess; die Uhr der Weltgeschichte aber zeigte auf Sonnenuntergang, und das Licht der alten Welt versank in einem Todesglanz ohnegleichen...”
"DER SPIEGEL" ÜBER TUCHMAN
Der Literaturkritiker des Spiegel hat 2001 gemeint:
“...Tuchman’s eindringliche Geschichtserzählung bewog John Fitzgerald Kennedy 1962 zum Verzicht auf blutige Militäraktionen, mit denen Pentagon-Generäle die Sowjetraketen vernichten wollten –ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. So betrachtet, hat kein Historiker seit Thukydides (der auch schon –vergebens- vor den Ungewissheiten des Krieges warnte) der Menscheit eine größere Wohltat erwiesen als die Wall-Street-Bankierstochter Tuchman, die gar keine gelernte Historikerin war.”
Ich bin begeistert von Tuchman (New York, 1912-1989) und warte sehnsüchtig auf den Tag nach den Prüfungen, um das Buch zu beenden.
Auch Solschenizyn (1918-2008), der russischer Schriftsteller, hat einen Roman mit diesem Titel (August 1914) geschrieben. Deshalb werde ich nach Tuchmans Buch auch dieses von Solschenizyn lesen...